Warum kommt meine Enkeltochter nicht zur Ruhe?

Heilkreis: es ist Sommer, wir sind zu dritt, zwei Teilnehmerinnen (Maria*und Carola*) und ich als Therapeut. Eines der besprochenen Themenwird zum Hauptthema: Maria sagt: ich habe eine Woche lang die beiden Mädchen meiner Tochter gehabt. Die Kleine (1/2 Jahr) ist sehr ruhig, aber die Große kommt nicht zur Ruhe, schläft nicht ein, weint, schreit … jeden Abend … und das schon seit Jahren. Ja, meint die andere Teilnehmerin (Carola*), das kenne ich von meinen Kindern auch. Ich war so hilflos, viele Jahre lang. Kann man da wirklich nichts machen? Ok, sage ich, dann laßt uns doch mal schauen, welche Hinweise es für diese Schlafstörungen gibt und was wir uns heute Abend bewußt machen dürfen.

Über das kinesiologische Testen zeigt sich zunächst das innere Kind von Carola. Sie hatte zuvor von einem häufig wiederkehrenden Traum berichtet, in welchem sie immer wieder mit einem etwa 7-jährigen Mädchen umherläuft und versucht, dieses Kind irgendwo abzugeben. Doch niemand nimmt es ihr ab und das Kind selbst hängt wie eine Klette an ihrem Rockzipfel. Auf Befragen erinnert sie, daß sie sich wirklich sehr allein gefühlt habe, weil in dieser Zeit ein zweites Kind geboren wurde und die Familie umziehen mußte. Der Vater war aufgrund seiner Arbeit selten zu Hause, die Mutter überfordert. Carola bekam ein eigenes Zimmer und hatte jahrelang viele Ängste. Sie war sehr schüchtern und hatte niemanden, dem sie sich wirklich anvertrauen konnte.

Darauf meldete sich die etwa 1-jährige Maria, die aufgrund einer heftigen Mittelohrentzündung ins Krankenhaus kam und an beiden Ohren operiert werden mußte. Sie erinnert, daß erzählt wurde, sie habe fürchterlich laut geschrien und die Schwestern hätten sich keinen anderen Rat gewußt, als sie in eine Besenkammer zu stellen. Zum Glück kamen die Eltern und haben sie relativ schnell wieder mit nach Hause genommen. Damit war der Boden für das Verständnis schreiender Kinder und ihrer Not bereitet. Doch was steckt nun hinter der Unruhe der besagten Enkeltochter von Maria?

Hier wurde ein Bezug über Marias Tochter, die mit 16 Monaten adoptiert wurde, zu deren leiblichen Mutter bewußt gemacht. Diese Mutter hatte 5 Kinder, die ihr nacheinander alle weggenommen wurden, weil sie diese immer wieder allein gelassen hatte. Kann es sein, daß diese ältere Enkeltochter das frühe Trennungs-Trauma ihrer Mutter in sich trägt und deshalb nur so schwer in den Schlaf findet? Wir können es an diesem Abend nur vermuten. Wir nehmen unsere inneren Kinder in die Arme und üben uns darin, das, was uns geschehen ist, tiefer zu würdigen und in Selbstliebe anzunehmen. Und wir wünschen, daß dies auch bei den kleinen Kindern einmal so sein wird, daß ihr Weinen endlich aufhören kann, weil der Grund dafür gesehen und gewürdigt wurde.

* Die Namen sind verändert worden.